AM ANFANG STEHT DIE SEHNSUCHT

Schmelztiegel ? dabei Bilder und Geschehnisse von jedem Tag: Tage imaginärer Reise. Ich beginne an einem beliebigen Tag ohne besonderen Grund. Mein ureigener Überlebenswille ist in dieser Geschichte gebändigt in Gestaltung und wird zum Gegensatz von dem, was als Gestaltung die ganze Welt beherrscht. Wer hat da etwas von Angst gesagt?

Wenn nicht? Wenn doch? der Zweifelvolle begänne morgen. Ich setze fest:

Heute ist der 12.11.83.

In zehn Tagen sind wir fertig. Zehn Tage fortgesetztes Reisen, nicht irgendwohin, sondern auf dieser SIRASSE.'. Zehn Tage lang teils gewaltsames, teils träumerisches Dahingleiten. Immer auch mit den Problemen konfrontiert, die der Biedermeier erfindet, jenes Normenwesen, das nur mit dem Schmerz an dieser STRASSE lebt. Der selbst dort, wo er über sie aufheult voller Sensibilität, dies nur als Vertreter des alten Schmuses tut; ein Rechtfertiger der Ketten, die er selbst gefressen hat. In den zehn Tagen trinken wir anderen Wein. Höre ? das Rülpsen, ganz leise zu vernehmen, heißt: Ochsen fangen.

Welche fangen wir jetzt?

An den Straßenrand verdammt: der hungernde Künstler. ? Um den geht es auch nicht. Worum denn sonst?

Um die STRASSE selbst, die lang ist und dorthin führt, wo die Subjekte schmoren. Wo diese sich verteidigen müssen gegen die Übermacht des Gekleckers an Vorgesetztem, gegen das Faulen im Normierten: Genußfähigkeit außerhalb der Vorbilder. Ja, da werden Hirne nicht geschreinert, geprägt wie Geldstücke zum Jasagen. Mäuler sind nicht bloß zum Zerkleinern der Nahrung da, Cremehäute nicht nur zum Konsumieren und Hinterbacken nicht nur zum Autofahren.

Diese STRASSE ? nun gut, ich nenne sie "Kunststraße" ? ähnelt einem Lied. In zehn Versen werden wir gewahr, wie sie verläuft: Mitten hin, durch die Nebelhaftigkeit, klar werdend, wo es am wenigsten vermutet wird, wo sie vielleicht niemand sieht. Wer ihr dann noch den Willen zum Machen entnimmt, den wollen wir Künstler nennen. Da heißt es, Vorverdautes verschmähen, von dem ablassen, was sich als schöne Welt aufjodelt, ? wohl wissend, wie unverschämt das Grinsen der Gesättigten ist.

Ich zeige die STRASSE dort, wo sie sich in heißester Leidenschaft verwirklicht, wo sie den Sprung durch die Scheuklappen aller Gehirne schafft. Dort, wo sie herrlichste Subjektivität ist, ohne den Geschmack des Verrats, machtvolle Reinigerin des Angeschwemmten zwischen Geburt und Tod, lachende Siebte im Bunde der sechs Richtungen.

Zu Beginn setzen wir uns bequem in einen Sessel, einen Laubhaufen, einen Fahrradsattel, einen Pferdesattel. Solchermaßen entspannt besinnen wir uns auf unsere Vorurteile und lassen diese los. Und steigen mit großzügigem Schritt über unsere Sehnsucht hinweg.

LOSLASSENI

"Halt Herr K. Sie werden jetzt noch nicht vorgestellt, das machen wir dann gleich am ersten Tag."

Nie bitte? ? Hm?!"

"Na ja, er ist dickköpfig, ich soll ihn gleich vorstellen. Machen wir das aber in einem Rätselwort. Wie bitte? Damit ist er einverstanden!":

Ohne ihn wäre die STRASSE nicht dennoch ist er ihr Kind

Teil des Begehers

immer dabei

und da

hier

mir

Wer sich für den restlichen Text interessiert, trete mit mir in Verbindung.

Manfred Forschner